Für viele war sie nie weg, und doch ist die Polaroidkamera zurück! Eine Ausstellung über die Arbeit mit Sofortbildern ehrt auch das Werk von Helmut Newton.

Die Zeiten, in denen man mit einer Polaroidkamera in Berührung kam, dürften für viele lange vorbei sein. Ausgelassene Hauspartys, bei denen der Gastgeber die unhandliche Kamera zückte, um den Abend festzuhalten – kurz bevor das Mobiliar seiner Eltern zu Bruch ging und alle Gäste des Hauses verwiesen wurden. Einige Zeit später blickte man mit etwas Abstand auf das quadratische Bildchen und dachte: Mensch, war das ein schöner Abend!
Wie die analoge Fotografie hat auch die Sofortbildkamera in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Nicht nur unter Hobbyfotografen ist das Polaroid beliebter denn je, auch professionelle Fotokünstler greifen für ihre Arbeit gerne auf die klobige Kamera zurück, die schon Andy Warhol, Robert Mapplethorpe, Ellen von Unwerth und auch Helmut Newton bei ihrer Arbeit diente.
Sei es zur Vorbereitung und als Schnappschuss für das endgültige Bild mit einer anderen Kamera oder als Möglichkeit, Fotos zu schießen, die sich allein schon durch das markante Passepartout von denen anderer Fotografen unterscheiden.
Das Polaroid als Vorbereitung für das endgültige Foto
Ob als ungewöhnliches Mittel für die Akt-, Porträt- oder Modefotografie oder als Kamera der Wahl für Zahnärzte, die den Kauapparat ihrer Patienten dokumentieren müssen (tatsächlich gibt es hierfür eine spezielle Polaroidkamera): Vom 7. März bis 27. Juli zeigt die Ausstellung „Polaroids“ der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie die große, rechteckige Welt der Sofortbildkamera. Neben Werken zeitgenössischer Künstler sind auch die Lichtbilder des gebürtigen Berliners zu sehen. Polaroids im kleinen Originalformat und vergrößerte Kopien davon – samt dem typischen weißen Rahmen, oft händisch beschriftet – geben Einblicke in Newtons Å’uvre.
„Das ist wahrscheinlich eines der ersten Polaroids, die Newton je gemacht hat“, sagt Matthias Harder, Direktor und Kurator der Helmut Newton Stiftung, und zeigt auf ein Bild aus dem Jahr 1965. Darauf räkelt sich ein Model in rotem Kleid für die französische Vogue auf einem Studiotisch. Im Gegensatz zu anderen Bildern, die in den Augen der Pariser Redaktion zu freizügig waren, entsprach dieses wohl den damals strengen, fast schon prüden Regeln des Magazins. Aber auch Bilder, die dies nicht taten, sind in der Ausstellung zu sehen: Aktfotos, die Newton oder seine Muse und Ehefrau June aufgenommen haben.

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